Chinas Arbeiter fordern mehr Geld und mehr Rechte

Chinas Wirtschaftsboom hat die bitterste Armut von hunderten Millionen Menschen beseitigt. Dafür herrschen in den Unternehmen frühkapitalistische Zustände. In der riesigen Fabrikstadt von Foxconn in Shenzhen gelten für die Arbeiter sehr strenge Regeln: sie dürfen nicht miteinander sprechen. Wer es trotzdem tut, wird bestraft. Viele kennen nicht einmal die Namen ihrer Kollegen im Schlafsaal. In vielen Abteilungen sind Handys verboten. Ohne sie ist das Leben sehr unangenehm, geradezu sinnlos.

Die junge Generation von Wanderarbeitern denkt anders als die Vorgängergeneration und läßt sich nicht mehr alles gefallen. Chinas führender Arbeiterrechtler Liu Kaiming hat ermittelt, dass in den zwei wichtigsten Boomzonen Chinas, dem Perlflußdelta und dem Yangzi-Delta ein durchschnittlicher Wanderarbeiter umgerechnet 190 € verdient. Er arbeitet dafür 66 Stunden die Woche, 120 Überstunden im Monat. Diese beiden Industrieregionen machen nicht einmal zwei Prozent der Landfläche Chinas aus, aber erbringen 40% der Wirtschaftsleistung, über die Hälfte aller Steuereinnahmen und 60% des Exports Chinas. Das meiste davon erwirtschaften Wanderarbeiter. Liu stellt auch fest, dass nach 30 Jahren eines sehr schnellen Wachstums der Wirtschaft noch immer 60% der Chinesen von weniger als fünf US$ am Tag leben.

Prof. Chen Zhiwu sagt, dass die chinesische Regierung mit dem Reichtum arbeitet. Was tut sie damit? Nach seinen Berechnungen haben sich die Einnahmen der Regierung seit 1995 verzehnfacht. während sich die Einnahmen der Bewohner in chinesischen Städten nur etwas mehr als verdppelt haben. (Quelle: DLF, Sendung Hintergrund am 27.7.2010, 18.40Uhr)